Coaching und Coaching im Kinderfußball – lasst die Kinder wieder Kinder sein!

In meiner bisherigen Laufbahn als Trainer habe ich schon zahlreiche Fortbildungen besucht, unzählige Spiele von Nachwuchsmannschaften gesehen und natürlich auch gecoacht. Eines fiel mir dabei immer auf: Das sogenannte Coaching der Trainer. Ich schreibe bewusst „sogennantes Coaching“, denn was man da alles hört und sieht, gehört definitiv auf keinen Fußballplatz.

 

Während meiner Ausbildung zum Fußballtrainer und auch in den anschließenden Fortbildungen erfährt man äußerst viel über Coaching, Pädagogik und Psychologie. Dabei gehen die Referenten beim Thema Coaching sehr ins Detail und ich muss sagen, durch das gelernte habe ich mich als Coach sehr verändert. Als junger und unerfahrener Trainer geht man mit dem Coaching äußerst blauäugig um und man denkt, dass man alles richtig macht. Doch dann besucht man seinen ersten Trainerkurs und wird eines Besseren belehrt. Es war äußerst ernüchternd als ich erfuhr, was man alles nicht machen sollte und wie gecoacht wird. Bei vielen der negativen Beispiele die Vorgetragen wurde, erkannte ich mich wieder und dachte mir: „Ich muss mich unbedingt verändern um den Kids zu helfen!“.

 

Natürlich ist eine Veränderung, vor allem dann, wenn man selbst Spieler war und in den Genuss des „sogenannten Coachings“ kam, extrem schwierig und zeitraubend. Man muss sich während des Spiels und Trainings sehr darauf konzentrieren um nicht wieder in alte Muster zu Fallen. Vor allem beim Coaching während des Spiels oder Spielformen ist es schwer seine Emotionen im Griff zu behalten und nicht alle Lösungen vorzugeben. Das was ich aus allen Kursen und einigen Büchern mitnehmen konnte war: „Ein guter Coach hält sich zurück und lässt die Kinder experimentieren.“. Vor allem der Kontakt mit Horst Wein hat mein Coaching geprägt. Er ist der Meinung, dass der Coach die Kinder vor lösbare Probleme stellen sollte und durch gezielte Fragestellung den Kindern eine Hilfe beim Lösungsvorgang ist. Auch während des Spiels hält sich ein guter Coach zurück und lässt die Kinder spielen.

Ein trauriges Beispiel vom Wochenende

„Junge, jetzt geh mal zum Ball! Könnt ihr nicht mal laufen?! Was ist los mit euch?! Los, spiel den Ball in die Tiefe! Das gibt es ja nicht, schon wieder ein Fehlpass!“ – das sind nur einige Anweisungen, die der Mann an der Seitenlinie quer über den Platz brüllte. Hinzu kam noch, dass ein weiterer Mann hinter dem Tor dem Tormann Anweisungen gab und ein weiterer stand dem Cheftrainer gegenüber und gab ebenfalls lautstark Hinweise. Ich fragte mich immer wieder, ob die Spieler das Gesagte überhaupt gehört und in weiterer Folge verstanden haben. Mit weiterem Verlauf des Spieles merkte ich aber, dass die Spieler nichts von dem gesagten umgesetzt haben… Sie verloren klar und deutlich mit 10:0.

 

Jetzt stellt sich für viele die Frage: „Lag es am Coaching? War der Gegner so viel besser? Sind die Kinder einfach nicht gut genug?“. Ich behaupte mal, dass das Coaching maßgeblich an der Niederlage beteiligt war. Warum ich das so sage? Ganz einfach, stellt euch mal vor in eurem Job steht der Chef neben euch und gibt ständig Anweisungen wie man etwas machen muss und welche Fehler man macht. Wie wäre euch zumute? Würdet ihr motiviert weiter arbeiten oder eher Überlegungen anstellen und Ausschau nach einem anderen Job machen?

 

Kinder sind nunmal keine Erwachsene und Spielen auch im Fußball nicht wie die großen Stars vom FC Barcelona, FC Bayern München oder Real Madrid. Uns Trainern muss klar werden, dass selbst ein Lionel Messi oder Christiano Ronaldo nicht mit dem Ballon d`Or vom Himmel gefallen ist. Lasst die Kinder Kinder sein und lasst sie Fehler machen! Fehler dürfen, ja sie müssen sogar passieren, damit der junge Spieler sich weiterentwickeln kann. Die Trainer sind dazu da, die Kinder vor lösbare Probleme zu stellen und bei Fragen unterstützend eingreifen. Den Kindern wird ohnehin oft genug vorgeschrieben was sie wie, wo und wann machen dürfen. Man nimmt somit den Kindern bereits in frühen Jahren jegliche Kreativität, die wir dann aber als Trainer im Wettkampf wieder einfordern.

 

Leider ist diese Art von Coaching kein Einzelfall im Fußball sondern alltäglich. Ich glaube sogar, dass 8 von 10 Trainer ihre Spieler mehr instruieren als diese mit Übungen und Spielen zu inspirieren.

 

Wie gezieltes und möglichst kreativitätsförderndes Coaching aussehen könnte, werde ich in einem anderen Beitrag näher beschreiben.