ÖFB Trainerfortbildung auf höchstem Niveau.

Mein persönlicher Eindruck über die ÖFB Trainerfortbildung vom 19.01. bis 21.01.2018 in Maria Enzersdorf.

Vergangenes Wochenende war es wieder soweit, der ÖFB lud zur Trainerfortbildung im niederösterreichischen Maria Enzersdorf. Wie auch im vergangenen Jahr, versprach das Programm sehr viel und nach den Turbulenzen rund um die Sportliche Leitung des ÖFB, galt es diese Versprechen auch zu halten.

Erster Tag der Fortbildung

Die Anreise von Tirol verlief ohne Probleme und da das Hotel sehr gut über die Autobahn erreichbar ist, war es schnell und einfach zu finden. Im vergleich zum letzten Jahr, konnte man im Vorfeld das Hotel direkt über ÖFB Reisen buchen und ersparte sich so einiges an Zeit. Nach dem Check-In ging es direkt zum Veranstaltungsort (EVN Arena), der mit dem Auto in wenigen Minuten erreichbar ist. Dort angekommen folgte die obligatorische Anmeldung bei den ÖFB Organisatoren.

 

Direkt nach den Anmeldeformalitäten ging es auch schon in den Lehrsaal wo bereits einige Trainer ihren Platz eingenommen haben oder in der Aula zum Smalltalk trafen. Pünktlich um 15:00 Uhr startete die Veranstaltung und der Ausbildungsleiter Dominik Thalhammer begrüßte die rund 350 anwesenden Trainer und die Ehrengäste von FIFA, UEFA, BSPA, DFB etc.

 

Der neue Ausbildungsleiter lobte anschließend auch die Arbeit von seinem Vorgänger Thomas Janeschitz und bekräftigte, dass die Ausbildung von Fußballtrainern in Österreich einen noch höheren Stellenwert bekommen wird und die Strukturen weiter ausgebaut und verfeinert werden. Auch die Delegierten der FIFA und UEFA lobten die Qualität mit der die Trainer in Österreich ausgebildet werden.

 

Um 15:30 Uhr startete der ÖFB Damen-Teamchef und Chef der Trainerausbildung Dominik Thalhammer seinen äußerst interessanten Vortrag über den Weg zur UEFA Women’s Euro 2017 in den Niederlanden. Er betonte Anfangs, dass Österreich und Frauenfußball von Beginn an keine gute Liebesbeziehung hatte, was sich allerdings im Laufe des Turniers sehr wandelte. Es war äußerst spannend zu Erfahren, wie es zu diesem großen Erfolg kam und wie das Trainerteam ihre Spielerinnen auf das Turnier vorbereitete. Im Laufe des Vortrags kam immer mehr heraus, dass Erfolg definitiv kein Zufall ist, sondern das Resultat von viel harter und detaillierter Arbeit. Die Inhalte waren extrem professionell und verständlich aufbereitet, sodass man viele Dinge seiner Arbeit 1:1 auch in den Herrenfußball übertragen kann, denn es ging in erster Linie darum, Strategien für den Erfolg zu finden und diese dann in den Trainingsalltag zu integrieren.

 

Nach dem äußerst kurzweiligen Vortrag folgte die Podiumsdiskussion mit ÖFB Sportdirektor Peter Schöttel, U21-Teamchef Werner Gregoritsch, BSPA Abteilungsleiter Wolfgang Hartweger, DFB Trainerausbilder Bernd Stöber und GAK Trainer David Preiss zum Thema “Trainerkompetenzen im Wandel der Zeit”. Geleitet wurde die Diskussion von keinem geringeren als der österreichischen Moderatorenlegende Hans Huber. Leider konnte ÖFB A-Team Chef Franco Foda nicht erscheinen, da er mit einer fiebrigen Bronchitis zu hause im Bett lag.

 

Die Diskussion bot ordentlich Zündstoff, vor allem als das Thema “Laptoptrainer” von Mehmet Scholl aufgegriffen wurde. Dieses Thema scheint nicht nur in Deutschland von großer Bedeutung sein, sondern auch in Österreich. Junge Trainer fühlen sich nicht verstanden und die ältere Generation findet den Begriff “Oldschooltrainer” auch nicht gerade positiv. Die Trainerkompetenzen wandeln sich, wie sich auch der Fußball wandelt. Wolfgang Hartweger etwa meinte, dass es durch die Sozialen Medien zu einem Informationsüberfluss bei den Spielern kommt und diese daher im Training nur noch dosiert mit digitalen Medien in Kontakt kommen sollten. Ein weiterer brisanter Punkt war auch, ob Ex-Profis bessere Trainer sind als Trainer die nie in einer höheren Liga gespielt haben. Die Teilnehmer waren mehrheitlich der Meinung, dass eine Spielerkarriere keinen wesentlichen Einfluss auf die Qualität des Trainers hat, was allerdings nicht heißt, dass ein Ex-Profi keinen Vorteil hat. Sieht man sich z.Bsp.: die aktuelle Punktevergabe für die UEFA-Pro Lizenz an, hat ein ehemaliger A-Team Spieler einen wesentlichen Vorteil im Vergleich zu einem Amateurspieler, doch nicht nur dort. Als Ex-Profi hast du einen Namen und viele Sportdirektoren verbinden damit Qualität, was nur bedingt stimmen muss. Peter Schöttel versicherte mir allerdings, dass es bezüglich der Aufnahmekriterien eine Änderung geben wird. Der ÖFB und deren Verantwortlichen sind gerade dabei die Kriterien zu evaluieren und entsprechend anzupassen, wann dies allerdings geschehen wird, konnte er zum Zeitpunkt der Fortbildung noch nicht sagen.

 

Zweiter Tag der Trainerfortbildung

Am Samstag startete der erste Vortrag um 09:00 Uhr. Bernd Stöber, DFB Trainerausbilder, referierte über das sportliche Leitbild des Deutschen Fußball-Bundes. Am Eingang seines Vortrages betonte Herr Stöber, dass er Trainerfortbildungen nicht nur als Pflichtveranstaltungen sieht, sondern ihm vor allem Freude bereiten. Diese Einstellung kann ich nur teilen und jedem Trainer ans Herz legen. Wie erwartet, war sein Vortrag äußerst professionell und zeigte, wie einfach man ein sportliches Leitbild entwickeln und umsetzen kann. Er sprach über Prinzipien und deutsche Tugenden und wie diese vom A-Team bis hinein in die Trainerausbildung transportiert werden.

 

Nach gut einer Stunde trat der ehemalige FC Red Bull Salzburg / FC Liefering Coach Thomas Letsch auf die Bühne. Auch er hatte ein spannendes Thema im Gepäck – Aktives Vorwärtsverteidigen als Basis einer Spiel- und Trainingsphilosophie. Auch sein Vortrag war sehr professionell aufbereitet und berichtete über seine Erfahrungen als Trainer und der Umsetzung seiner Spielidee. Ebenso wie Herr Stöber, sprach auch Thomas Letsch viel über Prinzipien und dass diese wesentlich wichtiger sind als die Grundordnung. Zahlenspiele wie 1-4-3-3, 1-4-4-2, 1-5-3-2 etc. sind zwar schön, doch all diese sind nutzlos ohne Prinzipien, die alle Spieler begreifen müssen. Er betonte auch, dass es nicht genügt, den Spielern die Spielidee zu vermitteln, er geht sogar noch einen Schritt weiter und spricht davon, dass man seine Spieler für die Spielidee begeistern muss um erfolgreich zu sein.

 

Den Abschluss machte TSV Hartberg Coach Christian Ilzer mit seiner Präsentation. Er zeigte den anwesenden Trainern seinen Weg beim TSV Hartberg und ging dabei sehr ins Detail seiner Arbeit. Es war erstaunlich wie professionell ein “kleiner” Profiverein in Österreich arbeitet und ich würde mir wünschen, dass es mehr solcher Vereine gibt. Christian Ilzer nutzt aktuelle Methoden der Videoanalyse und Fitnesstestung, manche würden sagen, er ist ein klassischer “Laptoptrainer”.

 

Nach der Mittagspause ging es zur Praxis in die BSFZ Arena in der Südstadt (Home of Admira Wacker Mödling), wo alle 3 Referenten die Theorie vom Vormittag auf den Platz brachten. Für die Umsetzung der Trainingseinheiten standen den Vortragenden Spieler der Admira Wacker U18, der Admira Wacker Amateure und Spieler der Akademie St. Pölten zur Verfügung.

Dritter und letzter Tag der Trainerfortbildung

Der letzte Tag, in Insiderkreisen auch der “Doktor-Tag” genannt, stand voll und ganz im Zeichen der Wissenschaft. Internationale Top-Referenten präsentierten die Ergebnisse aus aktuellen Untersuchungen und zeigen auf, dass der Fußball enormes Forschungspotential beinhaltet.

 

Prof. Dr. Ralf Lanwehr von der FH Südwestfahlen hielt einen äußerst kurzweiligen Vortrag über Strategien des Teamklimas und zeigte nicht nur Probleme im Fußball auf, sondern auch Lösungen. Interessanter Weise sind diese Lösungen nicht nur für den Fußball geeignet, sondern lassen sich ins tägliche Leben integrieren. Es war spannend zu hören, wie er einen englischen Sportkommentator mit einem deutschen Kommentator verglich, indem er auf beide Arten eine Spielsituation beschrieb. Er sorgte auch für einige Lacher als er die Wutrede von Rudi Völler einspielen ließ, die auch zum Nachdenken anregen sollte.

 

Anschließend referierte Dr. Alexander Schmalhofer vom FC Red Bull Salzburg über die Methoden der Spielanalyse im Fußball. Er selbst ist bei Red Bull für die Leitung der Abteilung Innovationen und Spielanalyse zuständig und Referent beim Institut für Fußballmanagement. Dr. Schmalhofer bietete den Trainern einen sehr tiefen und spannenden Einblick in die tägliche Arbeit eines Spielanalysten und zeigte auf, wie man moderne Technologien zu seinem Vorteil nutzen kann.

 

Den Abschluss der Wissenschaftler machte Prof. Dr. Hennig Plessner von der Universität Heidelberg mit dem Thema “Urteile, Entscheidungen und ihre Effekte”. Sehr interessant war, wie er die Darstellung des Videoschiedsrichters in die Medien geradezu zerpflückte oder wie unser Gehirn Entscheidungen fällt und sich beeinflussen lässt.

Fazit von Dominik Thalhammer zur Trainerfortbildung

“Ich fand es grundsätzlich eine sehr gelungene Veranstaltung mit sehr interessanten Referenten und Inhalten. Uns war es einerseits wichtig einige Botschaften (Bedeutung der Trainerausbildung) zu deponieren und andererseits nicht nur gewisse Themen in der Vordergrund zu rücken, sondern auch die learning outcomes. Potential sehe ich zukünftig in der Individualisierung durch ein modulares System der Fortbildung.”

Mein persönliches Fazit

Man geht immer mit einer gewissen Erwartungshaltung zu einer Fortbildung und diese kann entweder erfüllt, überfüllt oder eben nicht erfüllt werden. Im Fall der ÖFB Trainerfortbildung in Maria Enzersdorf kann ich für mich sagen, dass meine Erwartungen an die Veranstaltung mehr als erfüllt wurden. Vor allem der interessante Themenmix von Frauenfußball, Spielanalyse, Sportliches Leitbild bis hin zu wissenschaftlichen Themen, die alle von den Vortragenden sehr verständlich vermittelt wurden.

 

Ein weiterer positiver Punkt waren die Umfragen zu verschiedensten Themen während der Trainerfortbildung. Immer wieder konnte man per Smartphone an einer Umfrage teilnehmen und diese Ergebnisse wurden Live in den Lehrsaal übertragen. So bekamen die Leiter des ÖFB unmittelbares Feedback der Teilnehmer.

 

Doch es sind nicht nur die Referenten die diese Veranstaltung auszeichnen, sondern vor allem die geballte Fußballkompetenz von 350 Trainern aus Österreich und der daraus resultierende Austausch.

Upadate 05.02.2018 – Downloadlinks zu den Vorträgen

UEFA Womens EURO / Dominik Thalhammer

Das sportliche Leitbild des DFB / Bernd Stöber

Aktives Vorwärtsverteidigen / Thomas Letsch

Spielanalyse in der Praxis / Christian Ilzer

Methoden der Spielanalyse / Alexander Schmalhofer

Urteile, Entscheidungen und ihre Effekte / Henning Plessner